Fürth braucht ein "Großprojekt Klimaschutz" für die neue Stadtratsperiode

Auch wenn die Bewältigung der akuten Auswirkungen der Corona-Krise derzeit noch im Vordergrund steht, ist entschlossenes Handeln der politisch Verantwortlichen auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse weiterhin auch zur Bekämpfung der Klimakrise dringend erforderlich. Schließlich drohen dadurch letztlich noch wesentlich weitreichendere Auswirkungen zum Schaden der gesamten Bevölkerung als durch die Corona-Krise.

Eisbärenaktion in der Fürther Fußgängerzone zur Klimaschutzkonferenz in Paris

02.06.2020

Daher hat der BUND Naturschutz (BN) die Vorstellung von Großprojekten für die neue Stadtratsperiode durch Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung mit großem Interesse verfolgt. Der BN begrüßt es sehr, dass dabei auch die Begrünung weiterer Stadtplätze, die (baumgerechte) Sanierung der Hornschuchpromenade und die Gestaltung des Bahnhofplatzes als Mobilitätsdrehscheibe auf den Weg gebracht werden sollen.

Allerdings haben wir dabei weitere konkrete Ziele auf dem Gebiet des Klimaschutzes vermisst. Wichtige Ziele könnten zum Beispiel sein, dass sich der Stadtrat bis zu einem bestimmten Jahr vornimmt, die gesamte Stadtverwaltung bzw. die Gesamtstadt klimaneutral zu gestalten und sein Handeln gezielt darauf ausrichtet.

So müssen wir aus der Erfahrung der jetzigen Ausnahmesituation auch die richtigen Schlüsse für die Verhinderung katastrophaler Folgen durch eine ungebremste Klimakrise ziehen.

Dies wäre schon deswegen besonders wichtig, weil nach Aussagen der Wissenschaft nicht mehr viel Zeit bleibt, um katastrophale Auswirkungen der Klimakrise zu verhindern. Daher halten wir es für erforderlich, dass auch die Stadt Fürth hierbei besonders zielgerichtet und effizient vorgeht. Da bereits ein städtischer Energienutzungsplan als ein wichtiges Umsetzungsinstrument eines Klimaschutzkonzeptes vorliegt, könnte damit sofort begonnen werden, so dass keine zusätzliche Zeit mehr verloren geht.

Ebenso halten wir es für dringend erforderlich, auch die im Verkehrsbereich begonnene Förderung des Fußgänger- und Fahrradverkehrs sowie des Öffentlichen Nahverkehrs fortzusetzen und noch zu verstärken. Auf keinen Fall dürfen diese Entwicklungen in Folge der Corona-Krise nun gestoppt oder gar rückgängig gemacht werden.

Für besonders dringlich hält der BUND Naturschutz dies auch deswegen, weil nach der letzten Zwischenbilanz der von der Stadt beauftragten Energieagentur Nordbayern im Jahr 2017 ermittelt wurde, dass der gesamte CO2-Ausstoß in Fürth zwischen 1990 und 2014 um vier Prozent gestiegen war, anstatt deutlich zurückzugehen. Dies zeigt, dass die bisherigen Anstrengungen für den Fürther Beitrag zum Klimaschutz noch deutlich verstärkt werden müssen.

In diesem Zusammenhang halten wir es für bemerkenswert, dass der Münchner Stadtrat beschlossen hat, dass die Stadtverwaltung bereits bis 2030 klimaneutral wird und den Auftrag erteilt hat, einen Handlungsplan zu erarbeiten, wie das Ziel der Klimaneutralität der Gesamtstadt bereits in 2035 erreicht werden kann.

Der BUND Naturschutz bittet daher Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung und die Mitglieder des Stadtrats, diesem Thema bei den Projekten für die kommende Stadtratsperiode herausragende Bedeutung zukommen zu lassen.