Insektenvielfalt in Fürth noch längst nicht gerettet

Am 01. August 2020 jährt sich die Aufnahme zahlreicher neuer Regelungen in das Bayerische Naturschutzgesetz, die durch das Volksbegehren zur Artenvielfalt angestoßen wurden. Mit dem sehr hohen Zustimmungswert von 19,4 % hatten sich auch in der Stadt Fürth zahlreiche Bürgerinnen und Bürger für das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ eingetragen. Was ist seitdem in Fürth für die Artenvielfalt passiert? Die BUND Naturschutz Kreisgruppe Fürth-Stadt zieht Bilanz.

Biene auf der Blüte von Wilder Möhre

25.07.2020

„Auch wenn schon einige Verbesserungen im Stadtgebiet umgesetzt wurden, gibt es immer noch viel zu tun, um die schwindende Artenvielfalt und das Insektensterben aufzuhalten. Zumal diese Themen durch das Volksbegehren viel mehr Aufmerksamkeit bekommen haben“, bilanziert Reinhard Scheuerlein, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Fürth-Stadt. „Kommunen, Landwirte und VerbraucherInnen – viele haben, angestoßen durch das Volksbegehren, bereits etwas zum Schutz der Insekten und der Artenvielfalt beigetragen.“

„Ob es die kommunalen Flächenpfleger der Stadt Fürth sind, die ihre Flächen nun teilweise seltener mähen und damit blütenbesuchenden Insektenhäufiger eine Chance geben oder ob es die gestiegene Nachfrage der Verbraucherinnen und Verbraucher nach Produkten aus dem Ökolandbau ist oder die erhöhte Beteiligung von Landwirten an Förderprogrammen für Blühflächen. Insbesondere lobt der BN, dass der Fürther Stadtrat das Grünflächenamt beauftragt hat, die Umwandlung von Pflanz- oder Rasenflächen in artenreiche Blühflächen „in eigenem Ermessen sukzessive auszudehnen und dabei auch unterschiedliche Techniken oder Maßnahmen zu prüfen“ (Beschluss Bauausschuss vom 9.10.2019). Allerdings wartet der BUND Naturschutz noch auf das zugesagte übergreifende Insektenschutz- bzw. Mäh- und Blühkonzept, das verschiedene Dienststellen der Stadt Fürth und der infra fürth gmbh erstellen sollen.

In anderen Bereichen sieht die Bilanz gemischt aus:

Erheblicher Nachholbedarf besteht auf den landwirtschaftlichen Flächen im Stadtgebiet beim ökologischen Landbau: so wurden gemäß der Antwort der Staatsregierung auf eine Landtagsanfrage in der Stadt Fürth im Jahr 2019 erst 2,9 Prozent (ca. 59 Hektar) der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche ökologisch bewirtschaftet. Dies bedeutet einen der letzten Plätze unter Bayerns Landkreisen und kreisfreien Städten. Zum Vergleich: im bayer. Naturschutzgesetz ist ein Anteil von 30 Prozent für 2030 als Ziel enthalten.

„Diese niedrigen Zahlen haben uns wirklich enttäuscht. Sicherlich ist es erfreulich, wenn aufgeschlossene Landwirte nun teilweise auch Blühflächen anlegen. Aber für eine echte Trendwende halten wir eine Ökologisierung der Landbewirtschaftung und der EU-Agrarförderungen für das entscheidende“, so Reinhard Scheuerlein.

Auch die Fläche der Wiesen, die gemäß Vertragsnaturschutzmaßnahmen erst nach dem 15.6. jeden Jahres gemäht werden, ist im Stadtgebiet mit ca. 16 Hektar noch deutlich steigerungsfähig.

Um diese schlechten Werte zu verbessern, hält es der BUND Naturschutz für nötig, die Nachfragenach regionalen Bio-Produkten zu stärken. Dazu sollen die Stadt Fürth und ihre Tochterunternehmen sowie die Fürther Dienststellen staatlicher Behörden verstärkte Anstrengungen unternehmen, den Bio-Anteil in ihren Einrichtungen und bei ihren Veranstaltungen zu erhöhen.

„Auch der im neuen Gesetz vorgegebene Biotopverbund hat sich im Stadtgebiet nach unserer Einschätzung nach bislang noch nicht verbessert, hier fehlen noch nötige Konzepte und Umsetzungsschritte.“ Demgegenüber gab es bei den Gewässerrandstreifen in Fürth schon bisher nur wenige Abschnitte, an denen die Ackernutzung nahe bis ans Ufer reichte, so dass die Situation dort bereits bislang relativ günstig war. Am ehesten sieht der BUND Naturschutz dabei entlang des Bucher Landgrabens Verbesserungsbedarf. „Denn es ist absolut unstrittig, dass nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch die Gewässerqualität stark von Gewässerrandstreifen profitiert.“

Wichtig bleibt außerdem, wertvolle natürliche Lebensräume im Stadtgebiet nicht durch Bauplanungen zu gefährden und den Flächenverbrauch in der freien Landschaft niedrig zu halten“, so Kreisgruppenvorsitzender Reinhard Scheuerlein.

Was braucht es nun?

Die zentralen Forderungen des BN für das nächste Umsetzungsjahr in der Stadt Fürth sind daher: „Wir brauchen noch mehr Schub für einen großflächigen funktionierenden Biotopverbund, mehr Bio in allen Kantinen und bei allen Veranstaltungen, weniger Pestizideinsatz und weniger Flächenverbrauch durch Baugebiete „auf der grünen Wiese, wie z.B. eines am Magnolienweg in Burgfarrnbach geplant ist.

Gleichzeitig appelliert der BUND Naturschutz an den Fürther Stadtrat, die Bemühungen für die insektenfreundliche Pflege kommunaler Flächen weiter zu verstärken und die Mittel für die Anschaffung dafür erforderlicher Geräte und Fahrzeuge bereitzustellen. Daher sollte die derzeit noch häufige Mulchmahd, bei der das Mähgut auf der Grünfläche liegen bleibt und die Artenvielfalt durch die damit verbundene Düngung verringert, auf extensiv gepflegten Flächen schnellstmöglich beendet werden.

In diesem Zusammenhang ruft der BUND Naturschutz die Fürther Bürgerinnen und Bürger dazu auf, öffentliche Flächen zu melden, die nach ihrer Auffassung seltener gemäht oder weniger intensiv gepflegt werden könnten (E-Mail oder Tel. 0911 77 39 40). Diese Vorschläge gibt der BUND Naturschutz dann an die zuständigen Stellen in der Stadt Fürth weiter.

An die örtlichen Landtagsabgeordneten Petra Guttenberger (CSU), Barbara Fuchs (Grüne) und Horst Arnold (SPD) richtet der BN auch die Forderung, sich auf überregionaler Ebene für die nötige dauerhafte Finanzierung der Artenschutz-Instrumente und -Berater, für eine Änderung der Agrarpolitik, für ein verbindliches Flächensparziel und eine wirksame Klimaschutzpolitik einzusetzen, um wirklich eine Trendwende beim Schutz der Biodiversität zu erreichen.