Keinen Kahlschlag in der Fürther Südstadt!

Bereits seit Jahren wird durch intensive Bautätigkeit in Fürth auch immer wieder wertvoller Baumbestand beseitigt bzw. beeinträchtigt.

Nun droht auf dem Villen-Grundstück Ecke Austraße/ Flößaustraße in der Fürther Südstadt der Kahlschlag des vorhandenen Baumbestands. Dort besteht neben einer kleinen Sandstein-Villa eine herausragende Begrünung u.a. durch mächtige Rotbuchen- und Ahornbäume. Zusammen stellen sie ein bedeutendes Ensemble dar.

Der BUND Naturschutz (BN) fordert die Stadt Fürth dazu auf, der Bedrohung des Charakters der verschiedenen Stadtviertel und Vororte bereits vorbeugend planerisch entgegenzutreten.

Baumbestand auf Villengrundstück in der Fürther Südstadt

13.07.2016

In einer Großstadt wie Fürth mit dichter Bebauung, starkem Verkehr und vielen Einwohnern auf engem Raum übernehmen Bäume besonders wichtige Funktionen für ein gesundes Klima und das Wohlbefinden der Menschen.

So kann ein Großbaum an einem einzigen Tag den täglichen Sauerstoffbedarf für zehn Personen produzieren und einen Beitrag zur Filterung der Luft von Staub und Schadstoffen leisten. Gerade an heißen Sommertagen sorgen Bäume nicht nur für Schatten, sondern auch für eine aktive Kühlung ihrer Umgebung und bewirken damit besonders bei älteren und kranken Menschen eine gesundheitliche Entlastung. Außerdem schaffen Bäume für Stadtmenschen Gelegenheit zur Naturerfahrung und bieten unersetzlichen Lebensraum für Vögel und andere Tiere. Und schließlich beweisen Umfragen immer wieder, dass Bäume für die weitaus meisten Menschen ein Wohnumfeld attraktiver machen und das Stadtbild bereichern.

Daher setzt sich der BUND Naturschutz schon seit Langem für die Erhaltung von Baumbeständen bei Bauvorhaben in der Stadt Fürth ein.

Uralt-Bebauungspläne bestehen fort

Wurzel des Übels in der Austraße wie auch an anderen Stellen im Stadtgebiet sind ein Uralt-Bebauungspläne aus den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, die heute noch unverändert fortbestehen. Darin sind großflächige Bebauungen vorgesehen ohne jegliche Beachtung von tatsächlichen Gegebenheiten, wie etwa dem Baumbestand. Mit solchen Planungen ist ein bedeutender Teil des Fürther Stadtgebiets überzogen.

Die Stadt Fürth hat bislang jedoch zu wenig unternommen, um solche Bebauungspläne auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen. Dabei wäre es möglich, diese zu ändern, insbesondere wenn die Bebauung mehr als sieben Jahre nach deren Inkrafttreten nicht verwirklicht wurde.

Auch wenn derzeit Wohnungsknappheit besteht, hält es der BUND Naturschutz für wichtig, vorhandene Qualitäten in den Stadtvierteln (wie z.B. wertvollen Baumbestand) bei Nachverdichtung und Baulückenschließung zu berücksichtigen. Dies auch um zu verhindern, dass Stadtteile gesichtslos und austauschbar werden und um für die Menschen die Identität mit ihrem Umfeld zu erhalten.

Obwohl in Fürth die Einwohnerzahl in den letzten zehn Jahren um rund 12.000 gestiegen ist, ist gleichzeitig ein erhebliches Potenzial für Wohnbau im Flächennutzungsplan noch immer vorhanden, so dass nicht jede denkbare Fläche unbedingt genutzt werden muss.

Stadtbäume durch Trockenheit in Gefahr

Doch auch die klimatischen Veränderungen machen den Stadtbäumen schwer zu schaffen. Der trockene und heiße Sommer 2015 hat auch in Fürth erhebliche Spuren am Baumbestand hinterlassen, die erst in den letzten Wochen deutlich sichtbar wurden.

So waren in diesem Frühjahr zahlreiche abgestorbene Bäume zu sehen, die diese Stresssituation nicht überlebt haben. In vielen Fällen handelt es sich dabei um Birken. Zahlreiche andere Bäume weisen abgestorbene Äste und Leittriebe auf und sind dadurch geschädigt.

Daher ruft der BUND Naturschutz Anwohner von Stadtbäumen auf, diese gerade bei sommerlichen Hitzeperioden zu gießen, wobei einzelne größere Wassermengen (z.B. 150 bis 200 Liter pro Baum) besser sind als häufigeres Gießen mit weniger Wasser.

Bayernweite Kampagne des BN für Stadtbäume

Erst in der vergangenen Woche hat der BUND Naturschutz zusammen mit Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf die Kampagne "Natur in der Stadt" des Bayerischen Umweltministeriums mit einem Projekt zum Schutz und zur Erweiterung des städtischen Baumbestandes gestartet.

BN-Vorsitzender Hubert Weiger wies auch bei dieser Gelegenheit auf die vielen positiven Wirkungen von Bäumen im Siedlungsbereich hin.

Artikel der Fürther Nachrichten vom 20. Juli 2016 "Südstädter kämpfen für alte Bäume"

Hörfunkbericht des Bayerischen Rundfunks vom 14. September 2016 "Fürther Stadträte prüfen Änderung des Bebauungsplans"