Wird Fürth immer grüner?

Seit Jahren gibt es in Fürth einen Bauboom, der immer neue Flächen erfasst. Damit gehen oft auch Eingriffe in die bestehende Natur, wie z.B. stattliche Baumbestände, einher, von denen der BUND Naturschutz einige kritisch aufgegriffen hat.

Doch im September 2013 hat Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung verkündet, dass die Stadt in seiner Amtszeit seit 2002 immer grüner geworden wäre. Er hat diese Auffassung insbesondere mit folgenden Punkten begründet:

  • mit der Schaffung des Südstadtparks auf ca. 90.000 Quadratmetern;
  • mit einer positiven städtischen Baumbilanz, die jedes Jahr mehr Neuanpflanzungen als Fällungen aufweise;
  • mit einem Anwachsen der Waldfläche um 6,8 Hektar,
  • mit der Renaturierung verschiedener Gewässer im Stadtgebiet und
  • mit der Erweiterung der Landschaftsschutzgebiete.

So positiv der BUND Naturschutz jede dieser Maßnahmen grundsätzlich sieht und sie begrüßt, so stellt sich bei einer Gesamtbetrachtung der Stadtentwicklung doch die Frage: Handelt es sich dabei um zusätzliches Grün im Stadtgebiet oder doch mehr um Ersatz für oftmals verloren gegangenes Grün?

Der Faktencheck

Der BN möchte dieses Thema transparenter machen und die obigen Angaben im Folgenden einem Faktencheck unterziehen.

Südstadtpark

Mit dem Südstadtpark hat die Stadt Fürth eine gravierende Lücke in ihrem Grünflächensystem gefüllt und dazu die Gunst der Stunde genutzt, als die Amerikaner abzogen. Aufgrund der hohen Einwohnerzahl der Südstadt müsste er eigentlich noch durch kleinere Grünflächen ergänzt werden, was wegen der dichten Bebauung natürlich schwierig ist. Der Wettbewerb zur Neugestaltung des Kasernengeländes, bei dem die Weichen für den Südstadtpark gestellt wurden, fand 1996 statt. Bereits im Jahr 2003 war er weitgehend fertiggestellt, womit er also im Wesentlichen vor 2002 entstanden ist. Was kaum jemand weiß: gleichzeitig diente er als Ausgleichsfläche für die Anlage eines Gewerbegebiets im früheren MOB-Depot der Bundeswehr an der südlichen Stadtgrenze. Dabei gingen dort ökologisch hochwertige Sandmagerrasen verloren.

Baumverlust Kavierlein Fürth
Baumverlust am Kavierlein in Fürth

Baumbilanz

Die Stadt Fürth veröffentlicht alljährlich eine Bilanz zu den Bäumen, die auf städtischem Grund stehen, und vermeldet regelmäßig einen Zuwachs aufgrund von Neupflanzungen. Als sehr wichtig begrüßt der BUND Naturschutz dabei insbesondere die Schaffung neuer Baumstandorte im Zuge von Straßensanierungen in der Innen- und Südstadt, die die Stadt mit Hartnäckigkeit und Ausdauer verfolgt.

Betrachtet man die Situation der Bäume im Stadtgebiet jedoch umfassend, dann entsteht durch diese Art der Baumbilanz ein schiefes Bild. Zum einen braucht ein neu gepflanzter Baum jahrzehntelanges Wachstum unter günstigen Bedingungen, um die ökologische Wirksamkeit eines gefällten Altbaums zu erreichen. Zum anderen fließen in die städtische Bilanz oft auch solche Baumpflanzungen ein, die durch Ausgleichszahlungen finanziert werden. Damit bilden sie den Ersatz für Bäume, die auf Privatgrundstücken entfernt wurden und dort nicht nachgepflanzt werden konnten. Die dazugehörigen Fällungen schlagen in der städtischen Bilanz allerdings nicht als Verluste zu Buche, weswegen dieser Vergleich nach Auffassung des BUND Naturschutz hinkt.

Insgesamt ist dabei die Tendenz zu beobachten, dass sich der Baumbestand aus den privaten auf die öffentlichen Flächen und aus dem bebauten in den landschaftlichen Raum verschiebt. Aus Sicht des BUND Naturschutz ist dies problematisch, weil das Grün dann dort fehlt, wo die Menschen tatsächlich wohnen und leben. An einer umfassenden Bilanz war die Stadt Fürth bisher offenbar nicht interessiert, weswegen genaue Aufstellungen dazu fehlen.

Waldfläche

Der BUND Naturschutz begrüßt die Neuschaffung von Wald im Stadtgebiet. Wichtig ist dabei, dass der größte Teil davon im räumlichen Zusammenhang mit bestehenden Biotopen angelegt wurde, insbesondere im Bereich des Michelbachtals westlich von Vach. Geschaffen wurde der Wald allerdings mit Geldern aus Ausgleichszahlungen, die im Gegenzug für Eingriffe in die Natur geleistet werden mussten. Daher ging an anderer Stelle im Stadtgebiet dafür Grün verloren. 

Renaturierung von Gewässern

Richtig ist, dass die Gewässer-Renaturierungen, die durch das Wasserwirtschaftsamt ausgeführt wurden (z.B. an Zenn und Farrnbach) ohne eine Ausgleichsverpflichtung erfolgten und somit zusätzlich geschaffene Natur sind. Insbesondere die Renaturierung durch die Wiederanlage der großen Pegnitzschleifen an der Uferstadt wurde der Stadt Fürth im Rahmen des Programms "Stadt am Fluss" vom Freistaat Bayern quasi geschenkt. Demgegenüber stellten die Maßnahmen der Stadt Fürth i.d.R. entweder Ausgleich für vorhergegangene Eingriffe (z.B. am Bucher Landgraben) dar oder waren durch eine erhöhte Vergütung für die Einspeisung von Strom aus Wasserkraftwerken motiviert (Umgehungsgerinne an Stauwehren).

Rednitz Fürth
Rednitztal im Süden von Fürth

Landschaftsschutzgebiet

Bei der Fortschreibung des Landschaftsschutzgebiets in den Jahren 2009 bis 2011 haben die Stadtratsmitglieder meist der Versuchung widerstanden, zweifelhaften Anträgen auf Streichungen zuzustimmen. Letztlich wurden 1,7 Hektar herausgenommen und fast 11 Hektar neu ausgewiesen, was einen Zuwachs von 9,3 Hektar bedeutet. Hinzugekommen sind durchaus wichtige Flächen, wie z.B. am Waldheim Sonnenland im Stadtwald, an der Kronacher Hard und am Herboldshofer Landgraben. Insofern waren die Neuausweisungen zwar wichtig, jedoch betrug der Zuwachs im Verhältnis zum bestehenden Schutzgebiet nur bescheidene 0,5 Prozent.

Fazit

Bei aller Zustimmung zu den einzelnen städtischen Maßnahmen muss eine transparente Bilanzierung nach Auffassung des BUND Naturschutz auch deutlich machen, wobei es sich um Ersatz für verloren gegangenes Grün und wobei es sich um tatsächlich neu geschaffenes, zusätzliches Grün handelt.

Schließlich ist ja gerade der Verlust von Grünbeständen bei zahlreichen Bauvorhaben Bestandteil der Lebenswirklichkeit vieler Fürther Bürgerinnen und Bürger. Außerdem muss mehr dafür getan werden, dass die Entwicklung nicht dazu führt, das Grün immer mehr aus dem unmittelbaren Siedlungsbereich und dem Wohnumfeld der Menschen heraus zu verlagern.