Den Königsplatz entsiegelt? Im Ernst?
Die Neugestaltung des Königsplatzes beim Fürther Rathaus geht auf die Zielgerade. Mehr als Verwunderung löste die Aussage aus der Stadtverwaltung aus, der Königsplatz wäre damit entsiegelt worden. Angesichts nach wie vor großer Pflasterflächen hält der BUND Naturschutz dies für eine gewagte Behauptung, auch wenn die unbefestigten Bereiche geringfügig vergrößert wurden.
Im Allgemeinen wird der Begriff „Entsiegelung“ für den Ersatz von Pflaster- oder Asphaltbelägen durch offenen Boden verwendet. Dieser lässt nicht nur das Regenwasser versickern, sondern reinigt es durch die belebte Bodenschicht, und er kann bepflanzt werden. Demgegenüber werden sich die Pflasterflächen des Königsplatzes bei intensiver Sonneneinstrahlung im Sommer stark aufheizen. Und das in einer Umgebung, in der durch die großflächige Rathauskreuzung ohnehin ein ungünstiges Kleinklima herrscht.
Dabei liegt in der Umgestaltung von innerstädtischen Freiflächen eine große Chance für die Anpassung an den Klimawandel, um Fürth für die nächsten Jahrzehnte in dieser Hinsicht fit zu machen. Leider wurde diese Chance beim Königsplatz nach Auffassung des BUND Naturschutz großteils vergeben. Wasserdurchlässige Pflasterbeläge mögen ja am Anfang funktionieren und einen Teil des Regenwassers passieren lassen. Doch wer garantiert, dass die dafür erforderlichen Poren im Laufe der Jahre durch eingeschwemmten Sand und Staub nicht zunehmend verstopfen?
Nur wenig mehr als 10 Prozent tatsächlich entsiegelt
Auch wenn wir nachvollziehen können, dass ein solcher Platz nicht komplett geöffnet und bepflanzt werden kann, wünschen wir uns in Stadtrat und Verwaltung bei solchen Umgestaltungen mehr Engagement für lebendiges Grün. Wenn von der Gesamtfläche nur wenig mehr als 10 Prozent tatsächlich entsiegelt wurden, halten wir dies für kein besonders gutes Ergebnis, zumal die Fläche dann jahrzehntelang nicht mehr angefasst werden dürfte. Es bleibt mitunter der Eindruck, dass bei Abwägungen um den Erhalt oder die Schaffung von Grün in Fürth immer wieder andere Interessen den Vorzug erhalten. Doch nach Auffassung des BUND Naturschutz braucht es in der Fürther Innenstadt mehr Grün, das die sommerliche Aufheizung verhindert und kühlenden Schatten wirft.
Schließlich hat die erst kürzlich veröffentlichte Stadtklima-Analyse überdeutlich gemacht, dass Fürth gerade in den besonders verdichteten Stadtteilen angesichts zunehmend heißer Sommer vor gewaltigen Herausforderungen steht. Spätestens jetzt hört das Stadtgrün auf, nur „nice to have“ zu sein. Es sollte unser aller Ziel sein, dass Menschen auch künftig noch gerne in diesen Stadtteilen wohnen und leben. Dafür ruft der BUND Naturschutz Stadtrat und Stadtverwaltung zu mehr Anstrengungen in dieser Hinsicht auf. Die Zeit drängt.




