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Hitze-Check - „Fürth soll die hinteren Plätze verlassen“

Die aktuelle Hitzewelle wirkt sich in dicht bebauten Städten besonders stark auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Menschen aus. Beim Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH) unter 195 deutschen Städten sind dabei deutliche Unterschiede festzustellen. Im Vergleich mit anderen bayerischen Städten landet Fürth auf den hinteren Plätzen. Der BUND Naturschutz sieht darin einen deutlichen Handlungsauftrag an die Stadtpolitik, dieses Thema noch wesentlich stärker in den Fokus zu nehmen.

24.06.2026

Der Hitze-Check der DUH, der Mitte Juni veröffentlicht wurde, legt in diesem Jahr einen besonderen Fokus auf den Baum- und Grünflächenbestand sowie seine Entwicklung in den Städten. Dabei wurde durch Satellitenbilder ermittelt, wie stark sich die Überschirmung durch Baumkronen in den bebauten Gebieten zwischen 2018 und 2025 verändert hat. Diese Veränderung wurde umgerechnet in durchschnittliche Baumgrößen, so dass dafür eine Anzahl von Bäumen angegeben wird. 

Für Fürth wurde auf diese Weise von 2018 bis 2025 ein Grünverlust von umgerechnet 1.493 Bäumen ermittelt, was der BUND Naturschutz für eine erschreckende Zahl hält. Nicht berücksichtigt wurden dabei Neupflanzungen, es sei denn, sie gleichen den Verlust der Baumkrone am gleichen Standort ausreichend aus. Doch im Vergleich zu einem Großbaum erreicht ein neu gepflanzter Baum die gleiche Schatten- und Kühlwirkung erst nach Jahrzehnten.

Im Unterschied zum Vorjahr hat die DUH nicht nur die Hitzebetroffenheit der Menschen untersucht, sondern erstmals auch die Baumüberschirmung (Grad der Bodenbedeckung mit Vegetation von mehr als 2,5 Metern Höhe) sowie den prozentualen Zuwachs der Flächenversiegelung in den vergangenen sieben Jahren. Nur sieben deutsche Städte erreichen den wissenschaftlich empfohlenen Richtwert von mindestens 30 Prozent Baumbeschirmung – darunter Hamburg, Berlin, Oldenburg, Potsdam und Solingen. 

Im Vergleich dazu weist Fürth 2025 einen Beschirmungsgrad von 18,1 % mit Vegetation von mehr als 2,5 Metern Höhe auf, liegt also noch weit vom wissenschaftlich empfohlenen Richtwert entfernt. In Bayern liegen auch alle anderen Städte darunter, wobei die Spitzenreiter Würzburg bei 23,8 % und München bei 25,6 % deutlich höhere Werte als Fürth aufweisen.

Auch die Entwicklung der Flächenversiegelung fließt in die Gesamtbewertung ein. Der Versiegelungstrend zeigt, wie sich die versiegelte Fläche von 2018 bis 2025 im Verhältnis zur gesamten Verkehrs- und Siedlungsfläche verändert hat. In Fürth hat sich die Versiegelung in diesem Zeitraum um 0,66 % erhöht, was unter den bayerischen Städten ein mittlerer Wert ist. 

Insgesamt landet Fürth in der Gesamtbewertung auf einem der letzten Plätze in Bayern. Auch wenn der BUND Naturschutz in den Bewertungen die eine oder andere Unschärfe erkennt, hält er sie in der Tendenz insgesamt für eindeutig. 

„Wir sehen in den Ergebnissen für Fürth einen Weckruf für die Stadtpolitik, wirksame Hitzeschutzmaßnahmen umzusetzen“, so Reinhard Scheuerlein, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Fürth-Stadt. Dazu gehört die Beachtung der 3-30-300 Regel: Bürgerinnen und Bürger sollten von ihrem Zuhause aus mindestens drei Bäume sehen können, in einem Umfeld mit 30 Prozent Baumbeschirmung leben und die nächste Grünfläche sollte höchstens 300 Meter entfernt sein.

„Der BUND Naturschutz begrüßt Aktivitäten wie den Aufruf der Stadt Fürth Ende letzten Jahres, mögliche Flächen für eine Entsiegelung zu melden. Als positiv sehen wir auch, dass in der letzten Bauausschusssitzung bereits erste Beschlüsse gefallen sind, solche Maßnahmen umzusetzen“, so Scheuerlein. „Allerdings ist für spürbare Verbesserungen ein langer Atem und ein dauerhaft hohes Niveau an Pflanz- und Entsiegelungsmaßnahmen erforderlich."

Doch ein wesentliches Ziel muss es nach Auffassung des BUND Naturschutz auch sein, die Bemühungen zu verstärken, um vorhandene Baumbestände zu erhalten. „Pflanz- und Entsiegelungsmaßnahmen dürfen nicht als Rechtfertigung für die Beseitigung wichtiger Gehölzbestände an anderer Stelle im Stadtgebiet, wie z.B. im Hirschmann-Areal im Fürther Westen, dienen“, erklärt Reinhard Scheuerlein.