Fürther Innenstadtgrün nicht verkommen lassen

Der BUND Naturschutz ist sehr besorgt darüber, dass bei der Neugestaltung der öffentlichen Flächen im Bereich von Hornschuchpromenade und Königswarterstraße (Willy-Brandt-Anlage) nach dem Beschluss des Bauausschusses von letzter Woche nun eine völlige Umkehrung der Planungsziele droht.

Schon mit bestehenden Parkplätzen gingen Teile der Grünanlage verlorenr

Schon heute entstehen in der Königswarterstraße ständig weitere Baumbeschädigungen durch parkende Autos

Baumpfleger Christopher Busch und Bn-Vorsitzender Reinhard Scheuerlein zeigen Baumschäden durch parkende Autos

19.07.2018

Zusammen mit anderen Organisationen setzt sich der BN seit Jahren für eine Aufwertung der Grünflächen auf der ehemaligen Trasse der ersten deutschen Eisenbahn ein. Dabei ist es bereits gelungen, dass schwere Fahrzeuge und Anhänger während der Fürther Kirchweih nun nicht mehr innerhalb der Grünanlage und im Bereich der Baumwurzeln abgestellt werden dürfen.

Doch nach wie vor herrschen für den vorhandenen Baumbestand hohe Belastungen durch eine Straßengestaltung, die kaum Rücksicht darauf genommen hat, und durch die Anlage von Pkw-Stellplätzen in empfindlichen Wurzelbereichen. Dies ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Häufung von sehr warmen, trockenen Sommern eine immer stärkere Belastung für die Stadtbäume darstellt. So haben wir in Fürth seit Monaten viel zu geringe Niederschläge, was für den Baumerhalt geradezu pures Gift ist, zumal auch das Grundwasser, aus dem tiefwurzelnde Bäume das für sie lebenswichtige Nass entnehmen, weiter absinkt.

Gleichzeitig nimmt die Bedeutung der Bäume für ein verträgliches Stadtklima bei den zunehmenden sommerlichen Hitzeperioden immer mehr zu. Gerade in der Innenstadt und der Südstadt können solche Extremwetterlagen zu einer immer stärkeren Gesundheitsbedrohung für empfindliche Bewohnerinnen und Bewohner werden. Im Bereich der ehemaligen Ludwigsbahntrasse (Willy-Brandt-Anlage) hatte es schon zu Beginn der 80er Jahre einen Architektenwettbewerb für eine Neugestaltung dieser Freiflächen gegeben, allerdings hatte es die Stadt Fürth seitdem versäumt, dessen Ergebnisse umzusetzen.

Daher begrüßt der BUND Naturschutz die erstellten Planungen für eine Aufwertung und dauerhafte Sicherung der Grünflächen und Baumbestände entlang von Hornschuchpromenade und Königswarterstraße sowie die zugrundeliegende umfangreiche Bürgerbeteiligung in den durchgeführten Workshops.

Nun plötzlich das Verfahren und seine Ergebnisse in Frage zu stellen, wie im letzten Bauausschuss beschlossen, hält der BUND Naturschutz für einen ungerechtfertigten Schnellschuss. Zumal der BN die vorgesehene Schaffung von Ersatz-Stellplätzen im geplanten Quartiers-Parkhaus an der Gebhardtstraße für ein faires Angebot an den motorisierten Teil der Anwohner hält.

Ebenso soll es durch die verbleibenden Stellplätze natürlich auch gewährleistet werden, dass die vorhandenen Praxen und Gewerbetreibenden in diesem Bereich für ihre Kunden erreichbar bleiben. Außerdem gibt es aber auch nahe gelegene Parkhäuser (z.B. Hornschuch-Center: 660 Plätze!) und Parkplätze (Kleine Freiheit). Zudem sollten auch Härtefälle unter den Anwohnern besonders berücksichtigt werden. All dies ist mit der bisherigen Planung möglich und rechtfertigt es nicht, die Zahl der in den Straßen verbleibenden Stellplätze nun wieder zu erhöhen.

"Ganz besonders schädlich wäre es, den Vorschlag eines Anwohners zu verwirklichen, noch mehr Pkw-Stellplätze zwischen den vorhandenen Bäumen und damit auf deren Wurzelbereichen anzuordnen", so Christopher Busch, Baumpfleger und Leiter des bayernweiten BN-Projekts "Stadtbäume". Damit wären nicht nur schwerwiegende Eingriffe in das Wurzelwerk verbunden, sondern es ginge -anstelle einer Aufwertung- sogar ein Teil der vorhandenen Grünfläche verloren. "Dies wäre eine 180-Grad-Wende bei den Planungszielen für diesen Bereich, was der BUND Naturschutz vehement ablehnt", so Reinhard Scheuerlein, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Fürth-Stadt.

Eine Umfrage oder Abstimmung nur unter den unmittelbaren Anwohnern steht der BN skeptisch gegenüber. Vielmehr würden die Bewohnerinnen und Bewohner des ganzen Stadtteils von einer Aufwertung der Grünanlage profitieren und sollten daher auch mit einbezogen werden. Als "Fürther Prachtstraßen" und als ehemalige Trasse der ersten deutschen Eisenbahn hat dieser Bereich sogar gesamtstädtische Bedeutung.

Der BUND Naturschutz weist darüber hinaus auf einen großen Qualitätsunterschied hin: Eine bloße Befragung kann doch nicht einen umfangreichen Informations- und Diskussionsprozess ersetzen, wie er bei den Workshops stattgefunden hat. Daher fordert der BN eine umfassende Bürgerinformation, z.B. im Internet und im Rahmen einer Bürgerversammlung.

Der BUND Naturschutz warnt daher davor, die wichtigen Ziele der geplanten Neugestaltung aus den Augen zu verlieren. Dabei ist es unbedingt erforderlich, einen beträchtlichen Teil der vorhandenen Stellplätze aus Königswarter- und Rudolf-Breitscheid-Straße sowie aus der Hornschuchpromenade zu verlagern.

Als die wichtigste Aufgabe sieht es der BUND Naturschutz dabei an, den schleichenden Substanzverlust der Grün- und Baumbestände aufzuhalten und umzukehren. Gleichzeitig sind Fußgängern und Radfahrern im Verlauf der Straßenzüge attraktive Wegeverbindungen anzubieten. Gerade wenn dieser Bereich nun für die nächsten 50 Jahre neugestaltet werden soll, wie Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung zitiert wurde, ist es umso wichtiger, hier eine in die zukunftsweisende Lösung zu realisieren.

Artikel der Fürther Nachrichten vom 20. Juli 2018 "Willy-Brandt-Anlage: Große Sorge um die Bäume"