Nachhaltigkeitspreis für faire Kleidung geht nach Fürth

Das FarCap-Projekt in Fürth erhielt einen der jährlichen Nachhaltigkeitspreise der Neumarkter Lammsbräu und wurde damit in besonderer Weise gewürdigt. Bei der Festveranstaltung war der BUND Naturschutz- Vorsitzende Prof. Dr. Hubert Weiger der Laudator für diese Auszeichnung.

Von links: Die Geschäftsführerinnen Elke Klemenz, Dr. Regina Vogt-Heeren, Laudator Prof. Hubert Weiger und Brigitte Hanek-Ures

03.11.2017

Die gemeinnützige GmbH FarCap in Fürth unterstützt seit 2015 die indische NGO STOP gegen Menschenhandel durch den Vertrieb und Verkauf von fair-ökologischer Kleidung unter dem Markennamen "azadi". In der Kategorie "Innovation" wurde sie am 26.10.2017 mit dem Nachhaltigkeitspreis der Neumarkter Lammsbräu ausgezeichnet. "Dies sollte als Signal verstanden werden", so Hubert Weiger, BN Landesvorsitzender anlässlich der Preisübergabe in Neumarkt, "denn über unsere Kleidung sprechen wir, jenseits von Fragen der Mode und des Geschmacks, noch viel zu wenig." Das Besondere an dem Projekt ist, dass die eingehenden Gewinne aus dem Verkauf der Textilien in Projekte zur Förderung der Völkerverständigung sowie der Entwicklungshilfe reinvestiert werden. Durch die Zusammenarbeit mit der Modeschule Nürnberg werden junge Modedesigner*innen für die entwicklungspolitischen und menschenrechtlichen Zusammenhänge in der Textilindustrie sensibilisiert.

"Das Projekt ist ein innovatives Beispiel, das mahnt, dass ein Paradigmenwechsel, weg vom zerstörerischen System der Industriegesellschaften, mit massiven sozialen und ökologischen Folgen endlich beendet werden muss", so Weiger in seiner Laudatio. Dass ein fairer, sozialer und ökologischer Handel machbar ist, zeige dieses kleine Unternehmen: In den beiden Läden für Mode und Outdoor-Equipment von FarCap werde nur Kleidung angeboten, die ökologisch und fair hergestellt wurde. Das bedeutet: Stoffe aus Bioanbau, ohne gentechnisch veränderte, unter massivem Pestizideinsatz angebaute Baumwolle, keine ausbeuterische Kinderarbeit, angemessene Arbeitszeiten, sichere und gesundheitsverträgliche Arbeitsbedingungen, existenzsichernde Löhne, gezielte Frauenförderung und Arbeitnehmerrechte.

Die Geschäftsführerinnen Elke Klemenz, Brigitte Hanek-Ures und Dr. Regina Vogt-Heeren nahmen die Glückwünsche und den mit 2000 € dotierten Preis von Dr. Franz Ehrnsperger glücklich entgegen.

Preisträger FARCAP: www.farcap.de Faire Mode gGmbH, Gustavstr. 31, 90762 Fürth, Tel. 0911-97 95 78 50 und FARCAP Berg & Tal, Gustavstraße 35, Telefon 0911-78 06 26 27

Weitere Auszüge aus der Laudatio von Hubert Weiger:

FARCAP-Mode ist unter anderem WFTO-zertifiziert. Ziele der World Fair Trade Organization sind die Verbesserung der Marktchancen für benachteiligte Produzenten und politische Einflussnahme auf den Welthandel, um die Bedingungen langfristig zu verändern.

Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit spielen bei der Erreichung dieser Ziele eine bedeutende Rolle. So gibt es bei FARCAP immer wieder Vorträge, Workshops und Modenschauen, die das Publikum für faire Mode begeistern.

Eine Besonderheit im FARCAP-Sortiment ist das indische Label "azadi", das bedeutet auf Hindi: "Freiheit".

Die Bevölkerung Indiens gehört zu den ärmsten und am schlechtesten ausgebildeten weltweit. Obwohl Indiens Wirtschaft boomt, kommt davon bei der Masse der Bevölkerung wenig an. Weiterhin herrscht an vielen Stellen absolute Armut, viele Menschen leiden unter katastrophalen Entbehrungen und kämpfen ums Überleben. In diesem Überlebenskampf sind Frauen und Mädchen die schwächsten Glieder. Die Gewalt gegen Mädchen reicht von gezielter Abtreibung, über Kindsmord bis zu mangelnder Ernährung oder fehlender medizinischer Versorgung. Aus indischer Sicht lohnt es sich nicht, in Mädchen zu investieren. Mädchen an Händler zu verkaufen, die den Eltern eine Ausbildung für das Kind versprechen, scheint den Eltern ein gutes Geschäft. Allzu oft enden diese Kinder in der Zwangsprostitution, für die es - auch mit westlicher Mithilfe - einen florierenden Markt gibt.

Die indische NGO STOP, das steht für "Stop Trafficking and Oppression of Children and Women", also "Stoppt Menschenhandel und Unterdrückung von Kindern und Frauen" leistet Präventionsarbeit, rettet Mädchen aus solchen Zuständen und bietet den befreiten, oft traumatisierten jungen Frauen wieder Perspektiven für ein eigenständiges Leben, unter anderem auch mit einer Ausbildung - zum Beispiel zur Schneiderin.

Diese Frauen nähen mit großem Engagement und Stolz für das Label "azadi". Eine Besonderheit des Labels ist die Verbindung zwischen westlicher und traditionell indischer Mode. Durch die Beziehungen der Geschäftsführerinnen von FARCAP sowohl nach Indien als auch zur Modeschule Nürnberg kam es zu dieser ungewöhnlichen und für beide Seiten bereichernden Kooperation. Die Absolventinnen der Schule haben dem europäischen Geschmack entsprechende Schnitte designt, nach denen die indischen Schneiderinnen die Kollektion herstellen, aus Stoffen, die ein Bio- und Fair-Trade-Siegel tragen.

Wer Kleidung bei FARCAP kauft, womöglich aus der azadi-Kollektion, der kann sich darauf verlassen, dass für deren Herstellung niemand ausgebeutet wurde. Er kann sich ferner darauf verlassen, dass diese Kleidung frei von Schadstoffen ist.

Konventionelle Textilien werden mit einem immensen Wasser- und Energieaufwand produziert, unter Einsatz umweltbelastender Chemikalien und giftiger Farbstoffe. Mit diesem Gift kommen ganz besonders die Arbeitskräfte in den Textilfabriken in Berührung, aber auch wir, wenn wir diese Kleidung tragen. Abgesehen davon unterstützen wir mit dem Kauf solcher Kleidung eine Industrie, die hemmungslos Ressourcen verschwendet und den Klimawandel beschleunigt.

Unser heutiger Preisträger zeigt, dass es auch anders geht - mit Kleidung auf höchstem Gesundheits- und Öko-Standard aus fairer Herstellung. Damit bietet FARCAP nicht nur Frauen in Indien eine Perspektive, sondern auch uns: Indem FARCAP uns eine Vision davon liefert, wie unser Umgang mit Kleidung in Zukunft aussehen könnte. Denn wir alle haben es selbst in der Hand, welche Kleidung wir kaufen, wie lange wir sie tragen und wen wir damit unterstützen. Wir alle müssen wegkommen von einer Kaufmentalität, die ständig den neuesten Modetrends hinterherläuft und damit wertvolle Kleidung zu Wegwerfartikeln macht.